In diesen Zeiten braucht es harmonische Töne

Politiker würdigen in Gerstetten die musikalische Arbeit der Musikvereine. Kreisverband zieht Jahresbilanz, informiert sich über den Jugendschutz und blickt auf das Kreismusikfest im Sommer voraus.

„Wir brauchen das Ehrenamt, wir brauchen die harmonischen Töne, die sich den vielen Misstönen entgegenstellen“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter anlässlich der Hauptversammlung des Kreisverbandes Heidenheim im Blasmusikverband Baden-Württemberg im Gerstetter Stucksaal. Der Politiker sprach dabei gezielt die politisch so turbulenten Zeiten an und freute sich „über so viele Formen der Musik, die das wesentliche Band des Zusammenhalt in unserer Gesellschaft bilden“.
Zuvor hatte der Landtagsabgeordnete Martin Grath (Grüne) gute Nachricht mitgebracht. Grüne und CDU seien sich einig, dass das Land den Neubau zweier Musikakademien in Staufen und in Plochingen mit insgesamt 18 Millionen Euro fördert: „Wir in Baden-Württemberg wissen um die Arbeit unserer Blasmusiker und wir vergessen sie auch nicht.“ Allein die Bläserjugend im Ländle umfasse 70 000 Mitglieder und lehre nicht bloß die Musik, sondern auch Teamfähigkeit und soziale Kompetenz.
Bürgermeister Roland Polaschek betonte in seiner vielbeachteten Rede: „Sie musizieren nicht um Geld oder Verdienst, sondern aus eigenem Antrieb und Leidenschaft, zur Freude einer großen Zuhörerschaft. Diese Verbundenheit entsteht durch die Freude am gemeinsamen Musizieren, die Kameradschaft und die Freundschaft unter den Musikvereinen“. Gerstetten verbinde deutsche, französische und ungarische Musiker: Um das TriNa-Konzert werde man beneidet. Hohe Anerkennung zollte er der musikalischen Ausbildung, die Kindern und Jugendlichen ermöglicht werde: „Das bringt einen enormen gesellschaftlichen Mehrwert“. Und die Albkonzert der Musikvereine Dettingen, Gerstetten, Gussenstadt und Heldenfingen sind seit mehr als 30 Jahren Publikumsmagnet.


Einen Ausblick auf das Kreismusikfest (7. bis 9. Juli) gab Stefan Szabo als Vorsitzender des Musikvereins „Harmonie“ Gerstetten, der vor 111 Jahren gegründet worden ist.
Die Reihe der Jahresberichte eröffnete der Stellvertretende Kreisvorsitzende Reinhard Böhm, der auf den Osterlehrgang, die „Wiederbelebung“ des Kreisjugendorchesters und anderes mehr zurückblickte. Kreisverbandsschriftführer Klaus-Dieter Kirschner rief in Erinnerung, was vor Jahresfrist die Hauptversammlung beschäftigt hatte und beleuchtete kurz die Mitgliederzahlen im Vergleich der Jahre 2002 und 2017. Den Musikvereinen empfahl er, doch dringend die Werbung neuer fördernder Mitglieder in Angriff zu nehmen. Auch die Entwicklung der Zahlen bei den aktiven Musikern nehme kontinuierlich ab, auch wenn zwischen 2016 und 2017 die Zahl der Aktiven über 18 Jahren angestiegen sei.
Peter Keck schloss den 66 000 Euro mächtigen Finanzbericht mit schwarzen Zahlen ab. Kassenprüfer Holger Holzschuh meldete „alles in bester Ordnung“. Aus der Umgebung des Kreisdirigenten Norbert Hann wurde durch Reinhard Böhm auf ein geplantes Pilotprojekt beim Kreismusikfest hingewiesen. Erstmals könnte beim großen Festumzug auf einer Strecke von einhundert Metern eine Marschmusikbewertung vorgenommen werden. Interessenten mögen sich umgehend melden, um die Wertungsrichter verpflichten zu können.
Die scheidende Jugendleiterin Sylvia Eckert freute sich, dass angesichts der demographischen Entwicklung verschiedene Musikvereine „die Jugendarbeit neu für sich entdeckt haben“ und mit neuen Konzepten durchstarten. Der Neustart des Kreisjugendorchesters sei der richtige Schritt zur Nachwuchssicherung. Der kommende Osterlehrgang sei mit 68 Anmeldungen allerdings kleiner als alle seine Vorgänger.
Die Werbetour von einem Musikverein zum anderen habe sich ausbezahlt, freute sich Daniel Nusser als neuer Chef des Kreisjugendorchesters. „Man“ spiele in der Oberstufe und unternehme bei der Auswahl der Stücke auch Ausflüge in die Höchststufe. Weitere Mitspieler seien willkommen. Aktuell liege das Durchschnittsalter bei etwas unter 18 Jahren.
Thomas Berger war als EDV-Beauftragter mit seinem ersten Amtsjahr zufrieden, informierte über die neue Ehrungsordnung und dass es für Funktionäre neuerdings neben der Förderer-Medaille auch eine Förderer-Ehrennadel gebe.
Bürgermeister Roland Polaschek war bei der Entlastung der Vorstandschaft „doch sehr beeindruckt über das, was hier in ungezählten Stunden an vorbildlicher Arbeit geleistet wurde“. Die Entwicklung der Mitgliederzahlen gebe jedoch Anlass zur Sorge: „Ein Gegensteuern ist das Gebot der Stunde“. Dennoch sei im Großen und Ganzen die Welt beim Blasmusikverband komplett in Ordnung.
Über den Kinder- und Jugendschutz und die Vorlage erforderlicher erweiterter Führungszeugnisse sprach Harald Wirth (Landratsamt) und unterschied zwischen öffentlicher Jugendhilfe (Landratsamt) und freier Jugendhilfe, die die Vereine wahrnehmen. Alle fünf Jahre müssten neue Führungszeugnisse vorgelegt werden. Dies gelte für Personen aus dem Bereich der Europäischen Union. Personen von außerhalb hätten eine Art Erklärung in Sachen Vorstrafen abzugeben.
Bei der Vorstellung des Jahresprogramms wünschte sich Reinhard Böhm mehr als nur die bisher angemeldeten 15 Kapellen beim Kreismusikfest in Gerstetten. Es sollten schon 20 sein. Der Kreisverband Heidenheim umfasst 25 Musikvereine, die rund 100 Orchester unterschiedlicher Größe unterhalten mit insgesamt . Deren Arbeit wird von 3806 fördernden Mitgliedern unterstützt.
Die Hauptversammlung 2018 wird voraussichtlich in Niederstotzingen sein. Am Ende des Abends würdigte der frühere Stellvertretende Kreisvorsitzende Hans Weiler seinen Nachfolger Böhm, der nach dem krankheitsbedingten Ausfall des Vorsitzenden Dr. Habelt und des Geschäftsführers Klaus-Dieter Kirschner „ins kalte Wasser geschmissen wurde“ und „ausgezeichnete Arbeit gemacht habe“. Dies gelte auch für die Revitalisierung des Kreisjugendorchesters. Böhm sei hier Antreiber und Motor in einem gewesen. Für so viel Lob gab es donnernden Applaus der Festversammlung.   

Personalien aus dem Blasmusikverband

Herzliche Genesungswünsche, verbunden mit starkem Beifall, galten dem seit letzten Frühjahr erkrankten Vizepräsidenten des Blasmusikverbandes Baden-Württemberg und Kreisvorsitzenden Dr. Josef Habelt, der sich aktuell in der Reha befindet. Sein Stellvertreter Reinhard Böhm (Steinheim) leitete daher die Hauptversammlung im Stucksaal des Bahnhotels Gerstetten.
Bei den in Minutenschnelle erledigten Neuwahlen gingen Stellvertretender Kreisvorsitzender Reinhard Böhm sowie Schriftführer Klaus-Dieter Kirschner in die Verlängerung. Neu gewählt wurde für Norbert Hann der Gerstetter Jan Jäger als neuer Kreisdirigent. Für Sylvia Eckert wurde Laura di Pillo (Schnaitheim) neue Jugendleiterin. Der (neue) Chef des Kreisjugendorchesters, Daniel Nusser, übernimmt die Aufgabe des Jugendsprechers. Für den bisherigen Beisitzer Ralf Lanzinger kommt Martin Palatzky (Eglingen) ins Gremium. Kassenprüfer Holger Holzschuh wurde in seinem Amt bestätigt.


Traditionell gehören Ehrungen zu dieser Versammlung, wobei diesmal doch etliche Jubilare an der Teilnahme verhindert waren. Für Jahrzehnte im Dienste der Volks- und Blasmusik wurden 30, 40, 50 und sogar 60 Jahre Musizieren belohnt. Dirigenten wurden ausgezeichnet, die zehn, 15 oder 20 Jahre den Takt schlagen. Bewährte Vereinsfunktionäre freuten sich über die Förderer-Medaille in Bronze, Silber oder Gold. Stellvertretend seien hier genannt: Hans Beißwanger (Gerstetten), Gerhard Dreher (Hermaringen), Hubert Glaser (Königsbronn), Walter Henle (Nattheim) und Werner Zink (Niederstotzingen) zurück. Vor 60 Jahren begann Franz Kretschi (Dettingen) seine Musikerlaufbahn.


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